Programm für Dalits und Adivasis im indischen Bundesstaat Orissa

Rechte sichern - Für Menschenwürde einstehen

In Indien ist es immer noch bittere Realität: Ganze Bevölkerungsgruppen müssen ein Leben außerhalb der Gesellschaft führen. Es handelt sich um die Ureinwohner (Adivasis) und Kastenlosen (Dalits). Obwohl die indische Verfassung ihre Diskriminierung verbietet, werden beide Gruppen unterdrückt und leiden unter Armut, Willkür und Gewalt. Darum unterstützt die Helder-Camara-Stiftung seit 2008 ein Projekt in der Provinz Kandhamal in Orissa, einem der ärmsten Bundesstaaten Indiens. Dort leben die meisten Menschen als Tagelöhner, Pächter und Kleinbauern auf dem Land, fast alle unterhalb der Armutsgrenze. Siebzig Prozent von ihnen sind Adivasis und Dalits. 

Korruption weit verbreitet

Über staatliche Armuts-, Bildungs- und Gesundheitsprogramme werden die beiden Gruppen kaum informiert. Meistens wird ihnen der Zugang zu solchen Förderprogrammen sogar verweigert. Bekommen sie dennoch einmal Unterstützung, zweigen Regierungsbeamte und andere Mittler einen hohen Prozentsatz der Gelder für sich selbst ab. Die Lebenssituation der Adivasis und Dalits hat sich seit Jahren zusehends verschlechtert, womit sich auch ihr Minderwertigkeitsgefühl verstärkte. Viele fühlen sich von den christlichen Kirchen angezogen, weil diese sich für ihre Rechte einsetzen und ihre Menschenwürde anerkennen.

Opfer von Gewaltexzessen

Von dieser Entwicklung fühlen sich die höheren Kasten, die die wirtschaftliche Macht in Händen halten, zunehmend verunsichert. Sie fürchten um ihre Vormachtstellung. So kam es 2007 und 2008  in Kandhamal zu Gewaltausbrüchen fundamentalistischer Hindus gegen christliche Dalits und Adivasis, die sich gegen ihr Erstarken in der Gesellschaft richteten. Mehr als 100 Christen wurden getötet, 50.000 Menschen mussten aus ihren Dörfern fliehen, tausende Häuser und viele kirchliche Einrichtungen wurden zerstört.

Prashanti heißt Frieden

Um den Adivasis und Dalits ein gleichberechtigtes, menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen, hat eine örtliche MISEREOR-Partnerorganisation mit Unterstützung der Helder-Camara-Stiftung das Kulturzentrum Prashanti gegründet – das erste seiner Art. Es soll ihr Selbstbewusstsein stärken, ihre kulturelle Identität bewahren und sie dabei unterstützen, ihre Rechte einzufordern. Als ein Ort der Begegnung soll Prashanti dazu beitragen, nachbarschaftliche Vertrauensverhältnisse zwischen den Bevölkerungsgruppen in den Dörfern der Provinz wiederherzustellen. Dialog, gegenseitiges Verständnis und Respekt vor der Kultur des jeweils Anderen ist die Basis für ein gutes Miteinander. Und - Frieden kann nur wachsen, wo Gerechtigkeit herrscht. Prashanti will Anwalt der Unterdrückten, Stimme der Stimmlosen sein: Unrecht beim Namen nennen und dokumentieren; sich für Wiedergutmachung und Gerechtigkeit einsetzen; den Dialog mit allen Gruppen der Gesellschaft suchen.

Angst und Ungewissheit überwinden

Inzwischen hat sich die Situation nach den gewaltsamen Ausschreitungen äußerlich wieder stabilisiert. Nach und nach wurden Häuser und Kirchen wieder aufgebaut. In vielen Dörfern herrscht jedoch noch immer ein Klima der Angst und Ungewissheit. Die Rehabilitierung und Entschädigung der Opfer ist äußerst schwierig. Die meisten Täter sind bislang nicht verurteilt, obwohl sie angezeigt wurden und Zeugen ihre Täterschaft bestätigen. Die Entschädigungszahlungen der Regierung für zerstörte Häuser schleppen sich dahin und sind meist so gering, dass sich nur wenige eine neue Existenz aufbauen können. Genauso schwer wiegt die seelische Traumatisierung.

Einfluss auf die Politik

Das Stiftungsprojekt wendet sich auch an die politischen Entscheidungsträger in Orissa. In der Hauptstadt Bhubaneswar wurde ein Forschungs- und Dokumentationszentrum eingerichtet, das die Lebenssituation der Adivasis und Dalits dokumentiert und für ihre gesellschaftliche Anerkennung kämpft. Hier werden Forschungsberichte, Magazine, Zeitungen und Bücher gesammelt und politische Initiativen für Menschenwürde und Religionsfreiheit gestartet. Zudem sind traditionelle Objekte, Werkzeuge, Antiquitäten, Gemälde und andere Kunstwerke ausgestellt.

Erfolgreiche Arbeit mit Frauen

Bemerkenswerte Erfolge zeigt die Arbeit mit Frauen, die meistens keinen Schulabschluss besitzen und Analphabetinnen sind. Einige werden darin trainiert, mit einer Videokamera umzugehen und kleine Filme über das dörfliche Leben zu drehen. Dadurch haben sie in einer bisher rein männlich geprägten Umgebung beträchtliches Selbstvertrauen gewonnen und sind zur Stimme für andere Frauen geworden. Zugleich haben sie einen neuen Gemeinsinn für ihre dörfliche Gemeinschaft entwickelt und gelernt, ihre kulturellen Traditionen, Feste, Musik, Mythen und Geschichten als wertvoll zu betrachten und zu schützen.


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