Richard Grünewald

Wein, Werte und Wirksamkeit

Das Gleichnis vom Weinstock und den Reben ist jedem sonntäglichen Gottesdienstbesucher wohl vertraut. Dass Weinbau und Glaube sich auch alltagspraktisch verbinden können, erfährt Richard Grünewald jeden Tag aufs Neue.

Der Familienvater aus Worms packt nicht nur im eigenen Weingut tatkräftig an, sondern lebt auch seinen katholischen Glauben aktiv: Nach Jugend- und Gemeindearbeit engagiert er sich heute als Zustifter der Helder-Camara-Stiftung langfristig für die Ärmsten der Armen.

Der passionierte Winzer und seine Frau Eva haben schon vor Jahren entschieden, den Ertrag ihres Unternehmens mit anderen zu teilen. "Wir sind privilegiert, wenn man unsere Situation mit der in anderen Gegenden der Erde vergleicht. Darum müssen wir Verantwortung übernehmen", erklärt er. Grünewald ist über viele soziale und caritative Organisationen gut informiert, ihn interessieren Ziele und Strukturen. Dass er gerade MISEREOR unterstützt, hat mehrere Gründe: "Mich überzeugt der Ansatz der Hilfe zur Selbsthilfe", erläutert der Winzer. "Professionalität ist für mich ein weiteres Kriterium, außerdem die Freiheit von Ideologien. Gut finde ich auch, dass die Mitarbeiter beständig lernen, dass die Projekte evaluiert und verbessert werden."

Zurück zu den Wurzeln

Wirksamkeit, Selbstverantwortung, Qualifikation, Nachhaltigkeit, Freiheit - Schlag auf Schlag referiert er wichtige Faktoren. Er weiß, wovon er spricht, ist er doch nicht nur Winzer, sondern auch ehemaliger Personalentwickler bei der Lufthansa und studierter Theologe. Sehr unterschiedliche berufliche Stationen, von denen jede einen Teil seiner Persönlichkeit spiegelt.

Nach Winzerlehre und "klassischer Sozialisation mit kirchlichem Hintergrund" - sprich: heilige Messe am Sonntag, Jugend- und Gemeindearbeit - erwuchs der Wunsch, sich im Theologiestudium mit den eigenen Werten auseinander zu setzen. Die spätere Leitungsfunktion in der freien Wirtschaft fügte umfangreiches Wissen über Wirtschaftlichkeit, Menschenführung und Motivation hinzu.

Ausgerüstet mit diesem breit gefächerten Hintergrund verbindet er heute im familieneigenen Betrieb behutsam Tradition mit Neuem. Nicht "höher, schneller, weiter" ist sein Motto, sondern "zurück zu den Wurzeln": Das beginnt bei der rücksichtsvollen Bestellung des 10 Hektar großen Weingutes, die die Fruchtbarkeit des Bodens für die nachfolgenden Generationen erhalten soll, und geht bis zum Umbau eines 100 Jahre alten Pferde- und Kuhstalls zu einer stilvollen Vinothek, in der edle Tropfen in alten Futterkrippen lagern.

Kleiner Aufwand - Große Ergebnisse

Für Grünewald zählen langfristige Perspektiven, ob beim geduldigen Anbau neuer Rebsorten auf dem ererbten Weinberg oder im privaten Engagement. So wie bei dem MISEREOR-Projekt in Brasilien, dass das Ehepaar vor rund 20 Jahren bei einer privaten Reise kennen lernte und das ihm bis heute im Gedächtnis geblieben ist: "Es hat uns überzeugt, weil es einfach und unscheinbar, aber effizient war", berichtet Grünewald. Als Studenten wurden sie damals Zeuge, wie Dorfbewohner mit einfachen Mitteln und mit Unterstützung des Hilfswerkes eine Markthalle bauten. Sie ermöglichte den Kleinbauern, ihre Erzeugnisse regional zu vermarkten anstatt sie zu Minimalpreisen an Großhändler zu verkaufen.

So konnten sie ihre Familien besser ernähren. "Das war ein Beispiel, wie man mit kleinem Aufwand große Ergebnisse erzielt. Es hat aber nur funktioniert, weil man vor Ort mit den Menschen Bewusstseinsarbeit gemacht hat", betont Grünewald. "Das Projekt ist deshalb noch nach Jahren gut gelaufen - anders als viele Aktivitäten der staatlichen Entwicklungsarbeit."

"Es hat uns überzeugt, weil es einfach und unscheinbar, aber effizient war", berichtet Grünewald über das MISEREOR-Projekt in Brasilien.

Über den MISEREOR-Partner vor Ort, einen deutschen Priester, erfuhr das Ehepaar, wie die MISEREOR-Hilfe funktioniert. Die genaue Prüfung der Partner und der von ihnen vorgeschlagenen Projekte nach strengen Kriterien und die gezielte Verwendung der Spendenmittel überzeugte die Grünewalds. Ein Besuch bei MISEREOR, bei dem sie die Mitarbeiter kennen lernten, tat ein Übriges. "Es war nicht so eine Schlips-und-Kragen-Mentalität", erinnert sich Grünewald: "Man muss einfach zueinander passen, und hier passte es."

Das Engagement ins Verhältnis bringen

Doch eine Spende hier und da reichte dem Winzer irgendwann nicht mehr aus: "Je mehr man mit der Not in Kontakt kommt, desto mehr muss man tun. Es gab einen Moment, wo mir bewusst wurde, dass ein paar hundert Euro nicht so viel bewegen - man beruhigt eher sein Gewissen", erinnert er sich und stellt fest: "Für den eigenen Alltag gibt man auch viel Geld aus, z.B. für ein Auto. Deshalb muss man das Engagement ins Verhältnis bringen zu den übrigen Lebensumständen." Getreu seinem Credo für Nachhaltigkeit und Langfristigkeit entschied sich das Ehepaar für eine Zustiftung zur Helder-Camara-Stiftung von MISEREOR.

Erste Überlegungen, die Mittel zweckgebunden einzusetzen, ließen die Grünewalds nach intensivem Austausch mit MISEREOR-Mitarbeitern wieder fallen. "Es gibt Projekte, die sind "sexy", die lassen sich gut verkaufen", erläutert der Unternehmer. "Aber auch die anderen sind wichtig: Projekte, in denen Menschen über ihre Rechte aufgeklärt werden, oder die Finanzierung von Reisekosten, damit die Helfer vor Ort zu einer Weiterbildung reisen können", betont er. Deshalb misst er die Wirksamkeit von Projekten nicht nur in Zahlen wie Teilnehmern, Flächen oder umbautem Raum, sondern in der dauerhaften Wirkung auf die Betroffenen: "Für mich ist es eine tolle Erfahrung, dass Menschen in die Lage kommen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen!"

Gerade haben Grünewalds dies wieder selbst erlebt, im Rahmen ihrer ersten MISEREOR-Spenderreise. In einer kleinen Gruppe reisten sie durch Südafrika und erlebten hautnah die Situation der Menschen vor Ort. Respektvoll erzählt Grünewald von seinen Begegnungen mit Menschen, die sich auch unter ungünstigsten Lebensumständen beständig darum bemühen, zu lernen und ihren Horizont zu erweitern. An eine von ihnen erinnert er sich besonders: "Eine Frau, die sich um Flüchtlinge kümmert, erzählte uns, wie sie schrittweise lernen musste, mit traumatisierten Frauen umzugehen", schildert der Winzer.

Tatsächlich waren es oft die Frauen, die mich sehr beeindruckt haben", bekräftigt er: "Sie sind aufmerksamer - nicht nur Gutmenschen, sondern reflektiert und mit beachtlichen Ergebnissen, die die Fruchtbarkeit dieser Arbeit zeigen", lobt er: "Einige Projekte haben schon etwas von einem inhabergeführten Unternehmen: viel Engagement und kein Dienst nach Vorschrift."

Viele Werte wie Solidarität oder Eigenverantwortlichkeit, mit denen er sich in Studium und Beruf auseinandergesetzt hat und die ihm selbst wichtig sind, findet er in den MISEREOR-Projekten praktisch gelebt - für ihn eine Bestärkung und Bestätigung: "In Deutschland habe ich immer gedacht, diese Ziele bleiben doch auf einer theoretischen Ebene hängen. In Südafrika wurden sie jetzt von Menschen mit Leben gefüllt. Das ist ein Glücksgefühl für mich!"


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